Heute und immer: Vorlesetag

Vorlesetag, Stiftung Lesen

Der Vorlesetag

Die Stiftung Lesen hat den 15. November offiziell zum Vorlesetag ausgerufen: Es ist das größte Vorlesefest Deutschlands. Alle lesen überall. Prominente, Politiker und Ihr. Also lest vor. Wer nicht unbedingt Lust hat, das an die große Glocke zu hängen oder eine organisierte Lesestunde zu besuchen, die heute zahlreich im ganzen Land steigen, sondern lieber im Stillen, gemütlich und ganz privat liest, dann eben so. Hauptsache: Ihr lest vor! Heute und immer…

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Fantasy: Gut oder nicht oder egal?

Beast Quest Fantasy Reihe

Beast Quest – Loewe Verlag

Des Öfteren trifft man uns im Buchladen um die Ecke. Es sei erwähnt: ein sehr toller Buchladen, mit gemütlichem Dielenboden und einer Keksdose (Colibris Buchhandlung, Leonrodstrasse 19 in München). Seit Herbst sind wir noch öfter dort als davor. Im Herbst nämlich entdeckte mein Sohn in einer Buchhandlung an der Ostsee die Fantasy-Reihe „Beast Quest“ (Loewe Verlag). Stolz erwarb er dort die Bände 1 bis 3, deren Lektüre uns zu ein paar entspannten Minuten in der Sauna verhalf.
Vom Inhalt und der Sammlerleidenschaft angestachelt, sann mein Sohn darauf, weitere Bände der Reihe anzuschaffen. Mit anderen Worten: Er wollte sie alle – lesen und besitzen. So geschah es also, dass er einige Bände von seinem Taschengeld bezahlte, sich einige vom Weihnachtsmann herbeischleppen lies, sich wieder andere mit guten Noten verdiente und wir aus diesem Grund immer wieder in die Buchhandlung gingen.
Inzwischen ist der Autor der Reihe, ein gewisser Adam Blade, bei Band 28 angelangt (soweit ich weiß, hängt die Übersetzerin hinterher, sonst gäbe es mehr…). Die Titel der Reihe lesen sich nicht sonderlich originell und triefen vor Kampfeslust und übermenschlicher Kraft – sie heißen: „Ferno, Herr des Feuers“ oder „Eposs, Gebieterin der Lüfte“ oder „Rapu der Giftkämpfer“. Im Übrigen stelle ich mich Herrn Blade gern bei der weiteren Titelfindung zur Verfügung – hätte bereits einige Vorschläge wie: „Django, Verpester der Lüfte“ oder „Horan, Erpresser des Universums“ oder „Thorax, Drainage der Finsternis“.

Die nette Buchhändlerin überreicht uns dann jedes Mal die Bestellung, der mein Sohn stolz entgegen lächelt. Während seine Augen zu leuchten beginnen und in die Welt kämpfender Drachen abdriften, entwickeln sich in denen der Verkäuferin – so meine ich zu sehen – kleine bis mittlere Fragezeichen und ich ahne, was sie stets denkt: Das Kind liest Trash! Im Geiste antworte ich ihr: Ich weiß, aber was soll ich machen.
Einmal tarnte sie ihre eigentlichen Gedanken mit der Frage: „Wie lang braucht er denn, um das zu lesen?“. Ich antwortete: „Hm, etwa eine Stunde!“, sie: „Naja, Hauptsache er liest!“ Da war es raus. Und ich sagte: „Was soll ich machen?“

Ich nahm die kleinere Hand in meine, die andere kleinere Hand hielt überglücklich das neue Buch, und wir gingen hinaus. Ich musste nachdenken: War es okay, sowas zu lesen? Oder war das Mist? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung und es ist mir auch egal

Das Desaster: Die Wartezimmerbücher

Die Wartezimmerbücher

Das Desaster im Wartezimmer: die Bücher


Bestimmt kennt Ihr sie: Die Wartezimmerbücher. Abgegriffen, abgewätzt, verblichen und von vorgestern liegen sie auf Wartezimmertischen oder in komischen, braunen Holzkisten neben abgegriffenem, abgewätztem, verblichenem Holzspielzeug von vorgestern.

Die Wartezimmerbücher sind an sich eine freundliche Geste der Ärzte, die sagt: Wir denken auch an die Kinder. In vielen Praxen erkennt man außerdem die Mühe, eine zum Arztbesuch thematisch passende Auswahl zu treffen. Zahnbücher von Karies und Baktus beim Zahnarzt oder Beinbruchbücher beim Orthopäden. Aber ist diese Form der Einstimmung nötig? Und noch weiter gefragt: Denkt Ihr auch an die Eltern, liebe Ärzte? Die sind nämlich diejenigen, die diese top-unaktuellen, schludrigen und wer weiß wie oft beim Seiten umblättern mit Spucke in Kontakt gekommenen Bücher von ihren Kindern in die Hand gedrückt bekommen, mit der drängenden Bitte „Lies, Mama!“ Dann nimmt man dieses Buch – quält sich bereits beim Vorlesen des Titels – und liest es ohne Lust, möglichst schnell, während man mit spitzen Fingern umblättert und abwechselnd nach der Toilette schielt, um sich gleich anschließend die Hände gründlich zu waschen und nach der Arzthelferin, die uns doch umgehend ins Sprechzimmer bitten möge. Wo es hoffentlich keine weiteren Bücher gibt.

Neue, schöne und weniger viel benutze Kinderbücher in Wartezimmern hingegen sind eine Freude und im Übrigen auch eine Chance auf Vorleseminuten – nachdem nicht allen Kindern regelmäßig vorgelesen wird und manchen gar nicht. Im Wartezimmer passiert es dann vielleicht doch.

Liebe Ärzte, erkennt diese verantwortungsvolle Aufgabe – Euer Wartezimmer ist ein Ort der Begegnung und des Austausches. Seht zudem die Chance, Euch als Kulturliebhaber auszuweisen  – mehr als durch die profane Wartezimmerwandgestaltung mit Reproduktionen von Matisse- oder Monet-Gemälden, gern auch einer Mark Rothko-Malerei.

10 Tipps für den guten Vorleser

Vorlesen: Das hört sich leicht an. Ist es aber nicht. Einfach nur ablesen, was geschrieben steht, kann fast jeder.  Zum guten Vorlesen gehört mehr. Gefesselt lauscht man dem, dessen Stimme, Tonlage, Gesicht und Körper  die Geschichte mit erzählen – sozusagen in einer weiteren Dimension.  Es ist ein bisschen wie mit Abschied ohne Winken oder Weinen ohne Tränen. Erst der ganze Einsatz macht einen Vorleser zum guten Vorleser. Schwer ist das nicht, man muss sich nur trauen und ein gutes Buch finden.

1. Spaß haben!
Eine Geschichte vorzulesen, die man fürchterlich findet, bringt allenfalls das Gefühl, den Kindern wenigstens einen Wunsch erfüllt zu haben. Lausiges Vorlesen ist vorprogrammiert. Man wird sich kaum ins Zeug legen, wenn einen der Text anödet. Also: Seid wählerisch. Lest nur Bücher, die Ihr gut findet. Besser mit Begeisterung vorlesen als ohne. Schließlich gibt es etliche tolle Kinderbücher, die so einfallsreich und lustig sind, dass sie auch Erwachsene blendend unterhalten. Weiterlesen