Für Eltern: Einfach laufen lassen (ein Ratgeber)

Bei Mokassinkinder dachte ich zunächst an Kinder aus gutem Hause – mit braunen oder dunkelblauen Edelschuhen an den Füßen. Die Autorin und Wildnispädagogin Krissy Pozatek spielt allerdings auf etwas ganz anderes an. Auf die Mokassins der Indiander. Ein einfacher Schuh aus Leder – leicht herzustellen.

Eltern Ratgeber Mokassinkinder

Mokassinkinder

Was haben die Schuhe der Indianer mit den Kindern von heute zu tun? Ganz einfach: Es ist wichtiger, ihnen beizubringen, Mokassins selbst herzustellen, als ihnen den Weg mit Leder auszulegen.

Angst treibt viele von uns an. Angst, dass unserem geliebten Nachwuchs etwas passiert, dass er stolpert auf der Straße, ein Freund ihm Grobes tut oder eine Lehrerin ungerecht ist. Häufig springen wir für unsere Kinder in die Presche, nehmen sie in Schutz. Wir verbieten ihnen, auf Bäume zu klettern, aus Furcht davor, dass sie herunterfallen könnten. Wir wechseln die Schule aus Furcht, unser Kind könnte in der vorgefundenen Situation benachteiligt werden. Wir stehen bei der Lehrerin auf der Matte, die unserem Kind eine 3 verpasst hat – wir aber der Meinung sind, eine 3 sei nach dem Lernaufwand zu frustrierend.

Frust lässt Kinder wachsen
Wir verwechseln Fürsorge mit Angst. Wer nie vom Baum fällt, weiß nicht, dass man sich beim Klettern verletzten kann oder wie man die richtigen Schritte nach oben tut. Wer nie einen Streit löst, erfährt nicht, wie viel soziale Verantwortung er hat, wie viel Kompromissbereitschaft in ihm steckt. Wer nie den Frust einer schlechten Note aushalten muss, wird auch den Frust über andere Rückschläge kaum ertragen.

Im übertragenen Sinne: Wir muten unseren Kindern nicht einmal mehr schlechte Gefühle zu. Wir loben und motivieren unentwegt. In unseren Träumen springen Clara, Noah und Vincent glücklich und quietschvergnügt über die Wiese, immer lächelnd, immer beseelt. Das Glück unserer Kinder liegt uns so sehr am Herzen, dass wir vergessen, ihnen Frust oder Trauer zuzumuten. Beides wichtige Gefühle, die zur Persönlichkeitsentwicklung maßgeblich beitragen.

Negative Gefühle sind nicht negativ
Negative Gefühle gehören zum Leben. Jedes Gefühl hat seine Berechtigung und jedes Gefühl sollte so lang durch uns alle „hindurchfließen“, bis der Topf quasi leer ist. Auch durch unsere Kinder. So lernen sie, sich selbst zu regulieren. Wenn wir sie jedoch vor unangenehmen Gefühlen abschotten, fehlt die Erfahrung der Selbstregulation? Wie wir dabei helfen können, verrät die Autorin an vielen tollen Beispielen und skizziert dazu den theoretischen Hintergrund aus ihrer Praxis.

Krissy Pozatek rät, die Gefühle zu spiegeln und die Kinder nach der Lösung zu fragen, statt sie zu präsentieren. Das Buch ist ein glühendes Plädoyer für die Selbständigkeit. Ich empfehle es allen Eltern und nicht-Eltern. Das vermittelte Handwerkszeug lässt sich auch auf das Erwachsenenleben übertragen, darauf, wie wir Probleme lösen, mit unseren Freunden oder dem Partner umgehen, ihnen respektvoll begegnen. Es zeigt, wie wir präsent sind, ohne uns einzumischen. Wie wir die Selbsterkenntnis von uns und anderen steigern – wie wir lernen, mündige Wesen zu werden und anderen dabei helfen. Ich bin begeistert, denn es ist so unglaublich einfach.

Verlag: Betz

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