Nur ein Bilderbuch?

Kinderbuchblog Meine bunten Sachen

Meine bunten Sachen


Neulich erzählte ich einer Freundin vom Referentenauftrag bei der Stiftung Lesen. Dabei geht es um das große Projekt „Lesestart“ – ein Projekt zur Leseförderung. Das über 8 Jahre dauernde Projekt will erreichen, dass noch mehr Kinder lesen. Das beginnt in der Regel damit, dass ihnen vorgelesen wird. Denn schöne Momente mit Büchern, Bildern, Worten oder Liedern prägen die Kinderseele.

Eltern die gern vorlesen, vorsingen oder vorreimen schenken ihren Kindern nicht nur Zeit und Nähe. Sie rollen ihren Kindern den roten Teppich aus – direkt hinein ins Leben. Denn eigentlich ist es ganz einfach: Wem vorgelesen wird, der liest in der Regel gern und hat nicht allzu viel gegen Unterricht und Lernen.

Ich erzählte also, dass es innerhalb des Lesestart-Projektes auch darum geht, Einjährigen Lust auf Lesen zu machen. Dazu gibt es – Ihr kennt sie alle – viele von diesen Pappbilderbüchern. Auf jeder Seite ein Bild: Ein Teddy, ein Eimer, ein Ball, ein Hund. Je nach Titel konzentrieren sich die Bilder auch auf ein Thema, z.B. Bauernhof, Baustelle, Autos…

Für uns Erwachsene nicht nachvollziehbar: Was ist an diesen Bilderbüchern toll? Das fragte auch meine Freundin, die selbst Mutter ist. Sie meinte von diesen Büchern gibt so viele, warum eigentlich – wozu bunte Teddys und Feuerwehrautos?

Ein Kind, das solch ein Bild betrachtet, beispielsweise von einem Teddybär, meistert eine unglaubliche Abstraktionsleistung. Das Kind fragt sich: Wie kommt der Teddy in dieses Buch – wo er doch nebenan im Kinderzimmer liegt. Dem Kind wird klar: Es gibt nicht nur den einen Teddy, der nebenan im Kinderzimmer liegt, den ich anfassen, mit dem ich kuscheln oder den ich in die Ecke pfeffern kann. Dieses plüschige Ding ist also hier in diesem Buch. Somit gibt es den Teddy also nicht nur in meiner „Anfasswelt oder Angreifwelt“ sondern auch in dieser Bilder(buch)welt. Der Teddy wird für das Kind vom „realen“ Ding zum „abstrakten“.
Würde man ein Bild zu diesem geistigen Vorgang malen, müsste man ein Kind zeichnen, dass sich einen Teddy in den Kopf steckt – ich gebe zu, kein allzu ästhetisches Bild, aber es sagt klar, was beim Bilderbuch-Betrachten passiert.

Idealerweise flötet noch ein Erwachsener „Ja, mein Schatz, das ist ein Teddybär!“ und ruckzuck ist das Kind wieder ein Stück schlauer: Aus der Kinderzimmerwelt gelangt der Teddy in die gedankliche Welt, wird Teil des Denkens und Sprechens. Und von da ab wird Euer Kind jeden Teddy auf der Welt 1A identifizieren…

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4 Kommentare zu “Nur ein Bilderbuch?

  1. Hat dies auf allesinklein rebloggt und kommentierte:
    Im Projekt Lesestart sind wir auch schon mit drin. Ich halte es für eine ganz wunderbare Aktion. Teresa liebt „Klopf an!“, das Bilderbuch von Anna-Clara Tidholm (Hanser Verlag), das im ersten Set mit drin war. Überhaupt, sind Bilderbücher gerade voll angesagt. Bei der Geschenksuche für all die ersten Geburtstage, die jetzt so anstehen, bin ich dann auch gleich auf ein München-Wimmelbuch gestoßen. Ja, ich gebe es zu, ich kann mich diesem gewissen lokalen Selbstgefühl nicht erwehren. Passt vielleicht auch, dass Teresas aktuelles Lieblingsbuch „Mein erstes Bayernbuch“ heißt. Ja, da sind Almhütten und Brezn abgebildet, und sogar ein pausbäckiges Engelchen, kann man also für kitschig halten. Meine Tochter scheint’s aber cool zu finden. Und das ist wohl die Hauptsache.

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