Fantasy: Gut oder nicht oder egal?

Beast Quest Fantasy Reihe

Beast Quest – Loewe Verlag

Des Öfteren trifft man uns im Buchladen um die Ecke. Es sei erwähnt: ein sehr toller Buchladen, mit gemütlichem Dielenboden und einer Keksdose (Colibris Buchhandlung, Leonrodstrasse 19 in München). Seit Herbst sind wir noch öfter dort als davor. Im Herbst nämlich entdeckte mein Sohn in einer Buchhandlung an der Ostsee die Fantasy-Reihe „Beast Quest“ (Loewe Verlag). Stolz erwarb er dort die Bände 1 bis 3, deren Lektüre uns zu ein paar entspannten Minuten in der Sauna verhalf.
Vom Inhalt und der Sammlerleidenschaft angestachelt, sann mein Sohn darauf, weitere Bände der Reihe anzuschaffen. Mit anderen Worten: Er wollte sie alle – lesen und besitzen. So geschah es also, dass er einige Bände von seinem Taschengeld bezahlte, sich einige vom Weihnachtsmann herbeischleppen lies, sich wieder andere mit guten Noten verdiente und wir aus diesem Grund immer wieder in die Buchhandlung gingen.
Inzwischen ist der Autor der Reihe, ein gewisser Adam Blade, bei Band 28 angelangt (soweit ich weiß, hängt die Übersetzerin hinterher, sonst gäbe es mehr…). Die Titel der Reihe lesen sich nicht sonderlich originell und triefen vor Kampfeslust und übermenschlicher Kraft – sie heißen: „Ferno, Herr des Feuers“ oder „Eposs, Gebieterin der Lüfte“ oder „Rapu der Giftkämpfer“. Im Übrigen stelle ich mich Herrn Blade gern bei der weiteren Titelfindung zur Verfügung – hätte bereits einige Vorschläge wie: „Django, Verpester der Lüfte“ oder „Horan, Erpresser des Universums“ oder „Thorax, Drainage der Finsternis“.

Die nette Buchhändlerin überreicht uns dann jedes Mal die Bestellung, der mein Sohn stolz entgegen lächelt. Während seine Augen zu leuchten beginnen und in die Welt kämpfender Drachen abdriften, entwickeln sich in denen der Verkäuferin – so meine ich zu sehen – kleine bis mittlere Fragezeichen und ich ahne, was sie stets denkt: Das Kind liest Trash! Im Geiste antworte ich ihr: Ich weiß, aber was soll ich machen.
Einmal tarnte sie ihre eigentlichen Gedanken mit der Frage: „Wie lang braucht er denn, um das zu lesen?“. Ich antwortete: „Hm, etwa eine Stunde!“, sie: „Naja, Hauptsache er liest!“ Da war es raus. Und ich sagte: „Was soll ich machen?“

Ich nahm die kleinere Hand in meine, die andere kleinere Hand hielt überglücklich das neue Buch, und wir gingen hinaus. Ich musste nachdenken: War es okay, sowas zu lesen? Oder war das Mist? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung und es ist mir auch egal

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Irre: Die irrste Katze der Welt (ab 5 Jahre)

Die irrste Katze der Welt - Gerstenberg Verlag Kinderbuchblog

Die irrste Katze der Welt


Autor und Illustration:
Gilles Bachelet (Januar 2009)

Wir haben so gelacht. Obwohl wir krank im Bett lagen.

Wie irre kann man nur sein und einen Elefanten mit einer Katze verwechseln. Dann noch nicht mal sehen, dass das bescheuerte Kuscheltier, welches man dem Elefanten als Spielzeug unterjubeln möchte, von diesem aufs übelste verschmäht wird und der nicht den geringsten Versuch unterlässt, diesem lästigen Stoffteil den Garaus zu machen.
Da ist nicht die Katze irre, sondern der Katzenbesitzer!

Fantastisch sind die Zeichnungen die den hämischen Blick des Elefanten einfangen, wenn er versucht, sich des ungeliebten Plüschdings zu entledigen. Er will es im heißen Kochwasser sprudeln und eingehen sehen:

Die irrste Katze der Welt Gerstenberg Verlag, Kinderbuchblog

Die irrste Katze der Welt

Oder es in hohem Bogen aus dem Fenster plumsen lassen:

Die irrste Katze der Welt - Kinderbuch Gerstenberg Verlag

Die irrste Katze der Welt

Und damit nicht genug…

Ein tolles Buch für um-die-Ecke-Humoristen, die lachen können, obwohl es einem kleinen süßen Stoffelefanten fies an den Kragen geht.

Verlag: Gerstenberg

Philosophie: Mama, wo ist eigentlich das Gestern hin? (ab 5 Jahre)

Mama, wo ist eigentlich das Gestern hin? Kinderbuchblog ich liebe kinderbücher

Mama, wo ist eigentlich das Gestern hin?

Autorin und Illustration: Maja Bohn (Januar 2011)

Kinder sind Meister philosophischer Fragen. Hände hoch, das ist ein Überfall. Wie schwerfällige Dummköpfe stehen wir da, stammeln, murmeln, überlegen, wie man komplizierte und schier unerklärbare Dinge, Vorgänge und Lebensläufe verständlich macht. Während die Kinder mit ihren Fragen bewaffnet auf uns zielen, müssen wir waschen, bügeln, Proben unterschreiben, Brotzeitdosen spülen und das Leben meistern. Unsere Antworten sind in den meisten Fällen philosophische Bruchlandungen, oder?

„Mama, wo ist eigentlich das Gestern hin?“ ist ein Buch, das sich einer äußerst berechtigten philosophischen Frage angenommen hat und diese meiner Meinung nach hinreichend und hinreißend beantwortet.

Loretta erwacht und stellt fest: Das Gestern ist weg! Wohin? Loretta erkundigt sich bei Haushering Bodo, dem Nachbarn Zapf, einer Wildgans. Sie fragt eine Eintagsfliege, einen Hamster und einen Zauberer. Keiner weiß wohin. Verwundert bemerkt Loretta, dass das Gestern jedem etwas anderes bedeutet und manchen überhaupt nichts.
Lediglich Lorettas bester Freund, Heiner der Ziegenbock, kann sich vorstellen, wohin sich das Gestern aus dem Staub gemacht hat und auch Nachbar Zapf liefert schließlich eine mögliche Erklärung. Loretta muss nachdenken…

Verlag Hinstorff

Wie geht es Dir? Mir geht es gut! (ab 5 Jahre)

Wie geht es Dir? Mir geht es gut! Kinderbuchblog ich liebe kinderbücher

Wie geht es Dir? Mir geht es gut!

Innenansichten eines Briefkastens

Autorin: Doreen Beilke (März 2013)
Illustration: Lena Ellermann

Wenn Briefe sprechen oder gestikulieren könnten, käme aus jedem Briefkasten tumultartiger Lärm und wackelten die Wände. Leise Briefe, laute Briefe, formelle Beschwerdeschreiben, heiße Fanpost, Dankesbriefe, schwärmerische Urlaubskarten, glühende Liebesbriefe, Bewerbungen, Wunschzettel, fröhliche Glückwunschpost und und und…kaum auszudenken, wie es in einem italienischen Briefkasten zuginge.
Jeder Brief ist wichtig. Jeder Brief ist einzigartig. Fast jeder Brief transportiert Hoffnungen, jeder Brief ist für die Zukunft.
Das Buch „Wie geht es Dir? Mir geht es gut!“ erhellt das Innenleben eines Briefkastens. Einfühlsam und gewitzt schauen Autorin und Illustratorin in die Seelen der Menschen, erklären ihre Freuden, Nöte und Hoffnungen.
Ein offenes Briefgeheimnis für alle.
Mit Sicherheit bekommen Eure Kinder durch das Buch Lust, auch mal wieder einen Brief zu schreiben.

Verlag: Klett Kinderbuch

Das Desaster: Die Wartezimmerbücher

Die Wartezimmerbücher

Das Desaster im Wartezimmer: die Bücher


Bestimmt kennt Ihr sie: Die Wartezimmerbücher. Abgegriffen, abgewätzt, verblichen und von vorgestern liegen sie auf Wartezimmertischen oder in komischen, braunen Holzkisten neben abgegriffenem, abgewätztem, verblichenem Holzspielzeug von vorgestern.

Die Wartezimmerbücher sind an sich eine freundliche Geste der Ärzte, die sagt: Wir denken auch an die Kinder. In vielen Praxen erkennt man außerdem die Mühe, eine zum Arztbesuch thematisch passende Auswahl zu treffen. Zahnbücher von Karies und Baktus beim Zahnarzt oder Beinbruchbücher beim Orthopäden. Aber ist diese Form der Einstimmung nötig? Und noch weiter gefragt: Denkt Ihr auch an die Eltern, liebe Ärzte? Die sind nämlich diejenigen, die diese top-unaktuellen, schludrigen und wer weiß wie oft beim Seiten umblättern mit Spucke in Kontakt gekommenen Bücher von ihren Kindern in die Hand gedrückt bekommen, mit der drängenden Bitte „Lies, Mama!“ Dann nimmt man dieses Buch – quält sich bereits beim Vorlesen des Titels – und liest es ohne Lust, möglichst schnell, während man mit spitzen Fingern umblättert und abwechselnd nach der Toilette schielt, um sich gleich anschließend die Hände gründlich zu waschen und nach der Arzthelferin, die uns doch umgehend ins Sprechzimmer bitten möge. Wo es hoffentlich keine weiteren Bücher gibt.

Neue, schöne und weniger viel benutze Kinderbücher in Wartezimmern hingegen sind eine Freude und im Übrigen auch eine Chance auf Vorleseminuten – nachdem nicht allen Kindern regelmäßig vorgelesen wird und manchen gar nicht. Im Wartezimmer passiert es dann vielleicht doch.

Liebe Ärzte, erkennt diese verantwortungsvolle Aufgabe – Euer Wartezimmer ist ein Ort der Begegnung und des Austausches. Seht zudem die Chance, Euch als Kulturliebhaber auszuweisen  – mehr als durch die profane Wartezimmerwandgestaltung mit Reproduktionen von Matisse- oder Monet-Gemälden, gern auch einer Mark Rothko-Malerei.

Das sagt man nicht: Pipikack (ab 2 Jahre)

Kinderbuch Pipikack - Moritz Verlag

Pipikack

Autorin: Stephanie Blake (Mai 2013)

Aus der Pipikack-Phase sind wir schon raus. Es gab sie und wenn ich ehrlich bin, gibt es sie auch heute noch ein bisschen. Manchmal. Wörter wie Pipi und Kacka benutzen alle Kinder zwar irgendwie schamhaft und doch mit großer Lust. Ist eins der Wörter einmal gesagt und anwesende Erwachsene drohen nicht mit Strafen, erkennen die Kinder darin eine Art Berechtigung und schon geht es weiter und die Pipikack-Wörter sprudeln nur so.

Das Buch „Pipikack“ räumt mutig auf. Was ist schon dabei, wenn ein Kind „Pipi“ oder „Kacka“ sagt. Soll es doch. Eines Tages wird es ganz von selbst damit aufhören. Nicht, um einem Erwachsenen einen Gefallen zu tun oder einer angedrohten Strafe zu entkommen, sondern einfach weil es Zeit ist oder das Wort nicht mehr passt.
In dem vorgestellten Buch sagt ein kleiner Hase immerzu „Pipikack“ – zu allem und jedem. Bis der Wolf ihn frisst. Als schließlich der Arzt das Häslein aus dem Wolfsbauch befreit und es mit „Pipikack“ anspricht, ist es empört. Es heißt Simon und verbittet sich eine derart unreife Betitelung. Geht doch…
Also liebe Eltern, Ihr seid in bester Gesellschaft und Eure Kinder auch – entspannt Euch, denn Pipikack sagen zu dürfen ist großartig.

Fazit:
Ein sehr anständiges Buch für alle Kinder im Pipikack-Alter.

Verlag: Moritz

10 Tipps für den guten Vorleser

Vorlesen: Das hört sich leicht an. Ist es aber nicht. Einfach nur ablesen, was geschrieben steht, kann fast jeder.  Zum guten Vorlesen gehört mehr. Gefesselt lauscht man dem, dessen Stimme, Tonlage, Gesicht und Körper  die Geschichte mit erzählen – sozusagen in einer weiteren Dimension.  Es ist ein bisschen wie mit Abschied ohne Winken oder Weinen ohne Tränen. Erst der ganze Einsatz macht einen Vorleser zum guten Vorleser. Schwer ist das nicht, man muss sich nur trauen und ein gutes Buch finden.

1. Spaß haben!
Eine Geschichte vorzulesen, die man fürchterlich findet, bringt allenfalls das Gefühl, den Kindern wenigstens einen Wunsch erfüllt zu haben. Lausiges Vorlesen ist vorprogrammiert. Man wird sich kaum ins Zeug legen, wenn einen der Text anödet. Also: Seid wählerisch. Lest nur Bücher, die Ihr gut findet. Besser mit Begeisterung vorlesen als ohne. Schließlich gibt es etliche tolle Kinderbücher, die so einfallsreich und lustig sind, dass sie auch Erwachsene blendend unterhalten. Weiterlesen